Podcast #3
gemeinsam gedacht
Ein Interreg-Projekt und die Frage, was nach der Nachhaltigkeit kommt
In der dritten Folge des Regenerate-Podcasts sitzen drei Menschen am Tisch, die den Tourismus im Alpenraum von innen kennen: Claudia Gioitti, Nachhaltigkeitsmanagerin im Consorzio di Promozione Turistica del Tarvisiano, di Sella Nevea e di Passo Pramollo, Max Nagler, Direktor der Tourismusgenossenschaft Alta Badia und Markus Brandstätter, Geschäftsführer der NLW Tourismus Marketing GmbH. Grenzübergreifend vernetzt durch ein gemeinsames Interreg-Projekt – und die Frage, was nach der Nachhaltigkeit kommt.
Regenerativer Tourismus heißt: nicht mehr nur weniger Schaden anrichten, sondern etwas zurückgeben. Klingt gut auf dem Papier. Im Gespräch wird schnell klar, wie viel Arbeit hinter diesem einen Wort steckt – und wie oft man dabei danebenliegt.
Der ehrlichste Moment der Folge gehört Claudia: Nach einem intensiven Start mit viel Herzblut, einem Hackathon und langen Planungsphasen brachte erst ein entscheidender Schwenk die Wende. Statt der ursprünglichen Idee reichte am Ende der direkte Draht zu den Vereinen vor Ort, um den Nerv der Menschen zu treffen. Im Fokus stand plötzlich ein einfacher, 500 Meter langer Spazierweg bei Camporosso, der in nur zwei Monaten umgesetzt wurde. Das Ergebnis zeigt, wie stark die Identifikation heute ist: Die Einheimischen fragen aktiv nach der Eröffnung und wollen das Projekt mit eigenen Ressourcen weitertragen.
Außerdem im Gespräch:
- Warum Markus die leeren Rucksäcke am Gipfelkreuz seit Jahren ärgern – und wie aus einer Social-Media-Kampagne plötzlich ein eigener Aktionstag von 25 Nassfelder Hoteliers wurde
- Wie Max die Rolle einer Tourismusorganisation heute definiert, wenn sie eben nicht mehr nur dafür da ist, Betten zu füllen
- Der Satz, an dem sich alles reibt: „Euer Job ist es, unsere Betten zu füllen.“ Wie geht man damit um, wenn man Tourismusgeld in die Entwicklung für die eigene Bevölkerung stecken will?
- Warum Overtourism manchmal auch ein Luxusproblem ist – und weshalb Max trotzdem davor warnt, sich zurückzulehnen
- Ob KI die Arbeit der Regionen umkrempelt und was sie ganz sicher nicht ersetzen wird
Am Ende steht eine Erkenntnis, die weit über den Tourismus hinausgeht: Beteiligung braucht Vertrauen, und Vertrauen braucht Zeit. Wer Ergebnisse in einer Saison sehen will, hat das Prinzip nicht verstanden. Die richtige Frage lautet nicht, was wir morgen erreichen, sondern wo wir in zehn Jahren stehen wollen.
Eine Folge über Mut zum Umdenken, über Fehler, die man öffentlich zugibt und über ein Europa der Regionen, das dort funktioniert, wo Menschen miteinander reden, statt über Grenzen hinweg zu verwalten.